
Im Oktober 1992 kaufte ich mein erstes Kettenkrad. Genauer gesagt: Ich kaufte
eine verbastelte Wanne und einen Haufen von Einzelteilen.
Nach dem Ende des 2.
Weltkriegs war dieses Kettenkrad in der Sowjetzone und später der Deutschen Demokratischen
Republik (DDR) bei einem Bauern im Einsatz gewesen. Dieser Bauer entfernte alle
Teile, die ihm bei der Arbeit auf dem Acker im Wege waren: Batterie- und Werkzeugkasten,
die Rücksitzbank, die Motorhaube, einen der beiden Benzintanks, den Scheinwerfer
und noch mehr. Außerdem montierte er einen anderen Motor: Einen OPEL 1,2 Liter Seitenventilmotor
anstatt des originalen OPEL 1,5 Liter OHV Motors und er ersetzte den originalen
Fahrersitz durch einen Küchenstuhl.
Die originale Vordergabel ersetzte er durch
die Vordergabel eines ZÜNDAPP KS 750 Wehrmachtsgespanns.
Und der Bauer schweißte eine Menge Eisen in und an das Kettenkrad, um einen Pflug anbauen zu können. In den 1980er Jahren kaufte dann ein Sammler aus der DDR dem Bauern das Kettenkrad ab. Er begann das Fahrzeug zu restaurieren aber es war sehr schwer, in der DDR die fehlenden Teile zu beschaffen.
Im Jahr 1989 kam die deutsche Wiedervereinigung und ich lernte diesen Sammler über mein NSU MAX Motorrad kennen. Ich war an dem Kettenkrad interessiert, aber er wollte es nicht verkaufen. Später wollte er es dann verkaufen, aber ich war nicht mehr so interessiert, da es mir zu viel Arbeit war es zu restaurieren. Besonders wegen der vielen fehlenden Originalteile.
So hielt ich weiter Ausschau nach einem Kettenkrad. Auf der VETERAMA im Oktober
1992 in Mannheim traf ich einen Händler, der neue Kettenbolzen aus einem alten Lagerbestand
(N.O.S.) verkaufte. Ich war fasziniert und kaufte einen Satz von 80 Stück.
Auf
dieser VETERAMA 1992 waren zwei Kettenkräder zu verkaufen, beide in fürchterlichem Zustand
aber sehr teuer. So beschloß ich dann, das Kettenkrad von dem ostdeutschen Sammler
zu kaufen, denn es war besser als die in Mannheim angebotenen.
Zwei Tage nach dem Rückkehr aus Mannheim machten wir den Handel perfekt. Ich kaufte eine leere Wanne und einen Haufen rostiger Teile. Meine Frau war skeptisch, aber ich erzählte ihr, dass so ein Kettenkrad schließlich eine gute Geldanlage sei und das Geld daher nicht verloren sei...
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Komplett zerlegt, dafür mit einer Reihe von nicht originalen Löchern. Einige Löcher hatte der Bauer gemacht, um den anderen Motor zu montieren, andere der Vorbesitzer, als er die von dem Bauern angebrachte Konstruktion zur Anbringung eines Pfluges wieder entfernt hatte. |
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Auf diesem Bild sieht man gut die vielen Löcher, die der Vorbesitzer in die Wanne geschnitten hatte, als er nachträglich angeschweißte Teile wieder entfernt hat. Der Protzhaken und alle Teile der rund um die Halterung fehlen völlig. |
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Der Bauer hatte einen seitengesteuerten OPEL 1,2 Liter Motor eingebaut. Dieser Motor hat den Auspuff auf der linken Seite. Der originale Motor hat den Auspuff auf der rechten Seite. Also hat der Bauer den kompletten originalen Kanal für den Auspuff abgeschnitten, um Platz für den anderen Motor zu schaffen. Diesen Auspuffkanal wieder herzustellen war die schwierigste Aufgabe, da ich zunächst gar nicht wußte, wie er denn genau ausgesehen hatte. |
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Dieses Bild zeigt das Ergebnis der Bemühungen: Der neu gebaute Kanal für das Auspuffrohr ist
in der Wanne und mit ihr verschweißt. Auch neu angefertigt: Die Halterungen für den Kühler/Lüfter. |
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Das Armaturenbrett mit nachgefertigtem Tachometer, Drehzahlmesser und Thermometer. Alles noch aus der Produktion von Friedhelm Abel (verstorben 2002). An der linken Seitenwand sieht man den Luftkanal für die Heizung und den Bedienhebel für die Kühlerklappe. Beides Reproteile, |
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Neuer Batterie- und Werkzeugkasten, neue Motorhaube. |
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Ansicht von hinten. Beachten Sie die NOTEK Abstandsrückleuchte in der Mitte. Dies ist ein originales altes Neuteil (N.O.S.) Es ist die seltene frühe Ausführung mit Spritzguß Gehäuse. Später waren die Gehäuse aus Stahlblech gepresst. |
Das ist der Zustand von Kettenkrad #1 seit ca. 1998. Bis heute (Anfang 2026) hat sich daran nichts geändert.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich nicht lohnt, ein unvollständiges Kettenkrad aufzubauen. Es sei denn, der Weg soll das Ziel sein.
Bei mir das anders, insbesondere, nachdem ich bei der War and Peace Show in Beltring (UK) 1999 dank Graham Pipe erstmals selber ein Kettenkrad fahren durfte. Ab da stand fest: Ich will FAHREN!
Aus diesem Grund habe ich die Arbeiten an Kettenkrad #1 eingestellt und mir im Januar 2000 Kettenkrad #2 gekauft.
Das besitze und fahre ich bis heute (2026).